Stadt(t)räume, die Hauptwache neu denken
Wie erleben Jugendliche die Hauptwache? Welche Bereiche wirken ungestaltet, wenig einladend oder werden hauptsächlich als Durchgangsort genutzt? Und wie könnte dieser zentrale Frankfurter Platz künftig aussehen?
Im Projekt „Stadt(t)räume“ entwickeln Schülerinnen und Schüler eigene Vorstellungen für den öffentlichen Raum. Ausgangspunkt ist die Hauptwache als konkreter Ort: Sie wird untersucht, gezeichnet, diskutiert und schließlich mit kleinen architektonischen Eingriffen neu gedacht. Dabei geht es um Aufenthaltsqualität, Begegnung, Wege, Nutzung und die Frage, wie Jugendliche an der Gestaltung ihrer Stadt beteiligt werden können.
Inzwischen haben eine 8. Klasse und sechs 10. Klassen der Helmholtzschule Frankfurt und des Gymnasiums Römerhof im regulären Kunstunterricht an dem Projekt gearbeitet. Vor den Sommerferien kam eine jahrgangsübergreifende Projektgruppe mit Schülerinnen und Schülern der Klassen 7, 8 und 9 beider Schulen hinzu.
Vom Kubus zum architektonischen Körper
Am Anfang stand der Kubus aus Ton als einfache architektonische Grundform. Durch Addition, Subtraktion, Verschiebung, Öffnungen und Durchdringungen veränderten die Schülerinnen und Schüler den Körper und untersuchten dabei Volumen, Proportion und Raumwirkung.
Weitere Übungen mit Papier und Metallfolie führten diesen Gedanken fort: Aus Flächen wurden Körper, Formen wurden gefaltet, geöffnet, kombiniert und weiterentwickelt. So entstanden erste Erfahrungen mit räumlichem Entwerfen und Modellbau.
Vom Körper zum öffentlichen Platz
Im nächsten Schritt rückte der Stadtraum in den Mittelpunkt. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich mit der Entwicklung und Funktion öffentlicher Plätze: Wo verlaufen Wege? Wo halten sich Menschen auf? Welche Räume ermöglichen Begegnung, Rückzug oder gemeinschaftliche Nutzung? Auch die historischen Schichten der Hauptwache an diesem Ort wurden thematisiert. Die Auseinandersetzung führte von der einzelnen architektonischen Form zur Frage, wie ein ganzer Platz genutzt und verändert werden kann.
Die Hauptwache untersuchen
Während der Projektwoche arbeiteten Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7, 8 und 9 gemeinsam weiter. Zunächst zeichneten sie die Hauptwache aus dem Gedächtnis. In diesen mentalen Karten hielten sie Wege, Gebäude, Eingänge, Treffpunkte und freie Flächen fest. Anschließend verglichen sie ihre Wahrnehmungen mit einem großen Plan der Hauptwache und markierten wichtige, problematische oder bislang wenig genutzte Bereiche.
Aus Beobachtungen werden Entwürfe
Aus dieser Recherche entstanden konkrete Ideen für kleine architektonische Interventionen. Die Schülerinnen und Schüler wählten Standorte aus und überlegten, welche Funktion dort sinnvoll sein könnte: ein Ort zum Sitzen, Treffen, Warten, Spielen oder für neue Formen gemeinsamer Nutzung.
Die Entwürfe wurden gezeichnet, diskutiert und als Modelle umgesetzt. Dabei mussten Standort, Funktion und Form zusammenpassen: Warum soll ein Element genau hier stehen? Was verändert es? Und wie wirkt es im vorhandenen Stadtraum?
Für die Modelle wurden unter anderem Metallfolie, Draht und Glas verwendet. Da die Arbeiten später in den Vitrinen der Kunststation Hauptwache gezeigt werden, müssen die Materialien den dort geltenden Brandschutzbestimmungen entsprechen.
Zurück in den Stadtraum
Die entstandenen Modelle, Zeichnungen, Skizzenbücher und Standortideen werden Ende September beziehungsweise Anfang Oktober in der Kunststation Hauptwache gezeigt. Die Ausstellung dokumentiert den gesamten Entwicklungsprozess: vom Kubus über die Untersuchung öffentlicher Plätze bis zu den eigenen Interventionen für die Hauptwache.
Der Aufbau war ursprünglich früher vorgesehen. Wegen der hohen Temperaturen in der D-Ebene der Hauptwache wurde er auf den frühen Herbst verschoben.
Projektkonzeption und Leitung: Petra Stilper
Fachliche Begleitung Architektur: Maximilian Atta
Projektbegleitung: E. M. C. Collard, Kunst · Lucia Gerheim, Design · Olivia Wisker, Kunst
Ein Projekt von Domäne S – für Schülerinnen und Schüler e. V.
Gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain.